Offene Information des Krematoriums Hohenems fördert Gesprächsbereitschaft

Jede Geschichte, wenn man sie lang genug erzählt, endet mit dem Tod, meinte Ernest Hemingway. Das wissen wir; manche verdrängen diese Gewissheit zwar, viele Kranke und alte Menschen hingegen erwarten gelassen, dass sich der Kreis ihres Lebens schließt. Und in oft erstaunlich offener Art sprechen sie auch über die Zeremonie des Abschieds, darüber, wie sie sich ihre Beerdigung vorstellen.

„Aber Mama, über das musst du doch jetzt noch nicht reden, das ist noch lange nicht so weit!“ Immer wieder, so berichtet ein Bürgermeister, hört er diesen Satz, wenn er Jubilaren zu hohen Geburtstagen gratuliert oder Erkrankte besucht. Wenn ihre Angehörigen das Thema vermeiden, verweisen sie selbst darauf, dass ihr Leben gewiss nicht mehr allzu lange dauern werde und berichten dem Bürgermeister, wie sie sich ihre Beerdigung vorstellen. Es ist offenbar nicht immer einfach, dieses Thema im Gespräch mit der Tochter, mit dem Sohn anzuschneiden.

Gewiss, es schmerzt, wenn ein lieber Mensch darüber spricht, wie nach seinem Tod mit seinen sterblichen Überresten zu verfahren sei. Die offene Art der Information, wie sie vom Ethik & Umwelt Krematorium Hohenems seit der Eröffnung im Dezember 1998 praktiziert wird, hat aber ganz offensichtlich die Gesprächsbereitschaft auch über dieses vermeintlich heikle Thema gefördert. Nach der Eröffnung des Vorarlberger Krematoriums nutzten zahlreiche Interessierte die Tage der offenen Tür, um sich über die würdevolle Feuerbestattung zu informieren. Woche für Woche sind es inzwischen Besuchergruppen aus dem ganzen Land, die sich selbst vom pietätvollen Umgang mit Verstorbenen bei der Kremierung überzeugen.

Mehr Feuerbestattungen
Seit einigen Jahren übersteigt in Vorarlberg die Zahl der Feuerbestattungen jene der Erdbestattungen, 2008 wurden
70 Prozent - mehr als zwei Drittel - der im Land beigesetzten Verstorbenen kremiert. In manchen Gemeinden gibt es inzwischen kaum mehr Erdbestattungen, in den meisten Rheintalgemeinden liegt der Anteil zwischen 70 und 95 Prozent.

 

Die Pfarreien gestalten die Verabschiedung von Verstorbenen unabhängig von der Bestattungsart inzwischen in der gleichen Weise, würdig und pietätvoll. Ein Argument für den Vorzug der Feuerbestattung sind gewiss auch die Kosten. Trotz des Anteils für die Kremation kostet die Urnenbeisetzung deutlich weniger als die Beisetzung eines Sarges. Besonders dann, wenn noch kein Familiengrab vorhanden ist, sind erhebliche Kostenunterschiede festzustellen.

Für Gemeinden, die über geringe Platzreserven auf dem Friedhof verfügen oder wo der Untergrund Probleme bereitet, erweist sich die wachsende Zustimmung zur Feuerbestattung als besonders hilfreich. Urnengrabstätten nehmen deutlich weniger Platz in Anspruch, in bestehende Erdgräber können wesentlich mehr Urnen als Särge beigesetzt werden. Dazu kommen Umweltschutzmotive: Asche aus der Kremation ist völlig keimfrei, es gibt also keinerlei Beeinträchtigung auch bei Friedhofsanlagen mit hohem Grundwasserstand. Weil im Krematorium Hohenems auch Europas modernste Filteranlage eingebaut ist, gibt es zudem bei der Einäscherung keinerlei schädliche Emissionen.